Grußworte: Regierungspräsident

Regierungspräsident der Oberpfalz, Axel Bartelt

Sehr geehrte Damen und Herren,

kaum jemand hätte sich zur Zeit des sog. Eisernen Vorhangs vorstellen können, dass es zwischen Bayern und Tschechien, zwischen der Oberpfalz und der Region Pilsen einmal keinen Schlagbaum mehr gibt. Ohne Formalitäten ist es jetzt möglich, über die Grenze zu fahren. Zahlreiche Partner- und Freundschaften verbinden inzwischen diese beiden Regionen. Dies haben wir nicht nur der Politik und den Zufällen der Geschichte zu verdanken, sondern auch den Bemühungen zahlreicher Menschen, Vorurteile auszuräumen und aufeinander zuzugehen - Grenzen zu überwinden.

Auch wenn sich in der Psychiatrie in den vergangenen 20 Jahren bereits viel Positives entwickelt hat, im Alltag genauso wie in Diagnostik und Therapie, erleben wir unsere Grenzen – der Arzt oder der Sozialpädagoge in der Behandlung bzw. Betreuung genauso wie der psychiatrische Patient oder dessen Angehöriger in der täglichen Begegnung mit seiner sozialen Umwelt: Nicht wenige psychischen Krankheiten und Störungen lassen sich nur symptomatisch bessern, aber nicht heilen, und nicht wenige Patienten oder deren Angehörige müssen im Alltag Vorurteile oder Nachteile in Kauf nehmen. Nicht umsonst wird die Diagnose „Psychische Erkrankung“ nach wie vor von Vielen tabuisiert.

Mit dem Ziel, diesen Erfahrungen entgegenzuwirken und Kräfte zu bündeln, haben sich vor über 20 Jahren die Psychosozialen Arbeitsgemeinschaften der Oberpfalz (PSAG) zu einem wertvollen Netzwerk zusammengeschlossen. Als Regionaler Steuerungsverbund hat die PSAG entsprechend der Vorgaben der „Grundsätze zur Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bayern“ damit die Versorgungsverantwortung in der Oberpfalz übernommen. Nicht nur die psychiatrische Versorgung konnte auf die Weise entscheidend verbessert werden – als ein Beispiel von vielen können die Tageskliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie genannt werden – auch die Förderung psychischer Gesundheit und die Prävention wurden von den Netzwerkpartnern mit Nachdruck umgesetzt.

Dass wir gerade bei psychischen Erkrankungen immer wieder an Grenzen stoßen, ist zwar nicht neu, wird aber immer wieder verdrängt oder hingenommen. Professionell im sozialpsychiatrischen Bereich Tätige, Akteure der Selbsthilfe und andere Interessierte können nunmehr bei den neunten Oberpfälzer Psychiatrietagen erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, diese Grenzen zu überwinden. „Brücken bauen“ bei der Behandlung, Betreuung und im Alltag, das muss das Ziel aller Handelnden im Interesse der Betroffenen sein. Das vorliegende Tagungsprogramm ist gut geeignet, diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen.

In diesem Sinne wünsche ich den neunten Oberpfälzer Psychiatrietagen einen guten Verlauf, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen großen Informationsgewinn, interessante Begegnungen, und dass wir es schaffen, noch bestehende Grenzen gemeinsam zu überwinden.

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